Geschichten und Texte,
von unserer Oma Juliane
aus dem letzten Jahrhundert

Juliane Schramm


Ein Sommernachmittag vor siebzig Jahren   -   Mandelblüte im Februar   -   Frauenfassenacht in Falkenstein

Im Frühling   -   Seniorennachmittag   -   Eine Maienfahrt   -   Der schönste Donnerstag der Woche

Ausflug der Falkensteiner Senioren   -   Eine Maienfahrt   -   Auf Wiedersehen , Schwester Edelgard

Zweihundert Jahre Metzgerei Haug   -   Gartenwirtschaft zum Derre Ast

Zum Gedenken an Josef (Pfaff)   -   Cidre-Fest in Falkenstein   -   Meine Herbstreise in die Normandie

Der Herbst   -   Eine Herbstfahrt ( Schloss Gelchsheim )   -   für Pfarrer Eckert (zum Geburtstag)

Der Herbst   -   Der erste Schnee   -   Vorweihnacht   -   Die alte Katze war wachsam

Weihnachtsgedanken   -   Jerusalem   -   ISRAEL



Ein Sommernachmittag vor siebzig Jahren
So gege fünf, Adscheh,ich geh e bissi fort.
Gut, awer komm bald widder, net dass es werre dunkel wern dot!

Mei Mutter wusst genau mein Weg.Des wor jeden Sonntag derselbe:
Vom Spritzehaus gradaus enuff bis zum Kornfeld, Richtung Friedhof.
Uff de rechte Seit worn Schrebergärte un links en raa, also en Hang.
Hier gabs Blume bunt un schee den ganze Sommer lang un Ameise un Grille ohne Zahl.
Uff em Hang e duftende Heckenrose, mit viele Blüte reich geschmückt, hat dauernd Biene hier beglückt.
Dann hunnert Meter weiter kam e Kaut un e Fels.
Hier gab es viele Hecke.
Da konnte tausend Vögel wohne, brüte un sich verstecke.
Das ganze Jahr gabs Blüten und Früchte:
Weissdorn, Hollunder un wilde Kirsch un Äppel, Himbern un Stachelbern.

Ich war immer noch net am Ziel: Zum grosse Kornfeld - da wollt ich hin.
Hier sass ich viele Stunden.
Die Zeit war weg. Nur der Natur war ich verbunden.
Die Ärn bewegte sich wie Welle im Wind.
Un heraus leuchtete rote Mohn, blaue Kornblume un lila Disteln.

War es nur eine oder mehr: Die Lerche stiege jubelnd in die Höh - bis in de Himmel, dacht ich oft.
Dann kame se herabgestürzt, ganz schnell un unverhofft.

Das konnte stundelang ich seh un tiefbeglückt dann heimwärts geh.

Juliane Schramm, 10.08.1993

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Mandelblüte im Februar
Im Garten steht ein Baum
mit tausend Rosenblüten -
so schön, als wär´s ein Traum.
Ich wollt, ich hätte Flügel!

Ich würde mit den Bienen dann
von dem Honignektar trinken
und mit dem kleinen Meisenpaar
laut um die Wette singen.

Überall, in jedem Tal,
von den Bergen bis zum Meer,
blühet alles tausendfach -
ein Blütenmärchen um uns her!

Dazu brauchst Du, als Mensch,
nur Deine Hände still zu falten:
Oh Gott, wie schön ist Deine Welt!
Durch Deine Güte wird sie uns erhalten.

Juliane Schramm , Februar 1992

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Frauenfassenacht in Falkenstein
Vorbei ist nun die Fassenacht,
die Freude und Lachen uns gebracht.
Die Sorgen um morgen, die waren weg.
An Fassnacht kümmert´s uns ´nen Dreck!

Nun sei einmal besonderer Dank
den Frauen dieser Fassenacht:
Sie boten einen Abend an,
da war doch alles klasse dran!

Ein Bühnenbild - gerad´zum Verlieben.
Auf diesem Schiff wären wir geblieben!
Und Jede brachte nur das Beste.
Wir waren gerne Ihre Gäste!

Der Abend fing um zwölf Uhr dann
mit einer Geburtstagsfeier an.
Ein Hoch, ein Tusch der lieben Schwester Edelgard,
die in Falkenstein viele Kinder betreut hat.

Das war für uns ein schönes Fest.
Und Jeder denkt bei sich im Stillen:
Möge uns das Leben doch noch oft
solchen schönen närrischen Traum erfüllen...

Juliane Schramm, Februar 1985

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Im Frühling
Nun grünt und blüht es überall.
Der Wald - er wird zum grünen Dom,
zum grünen Teppich wird das Tal.

Da hält uns nichts mehr in dem Haus!

Wir ziehen fröhlich in den Wald.
Und mit den Vögeln - hell im Chor -
ein frohes Lied schon bald erschallt.

Wir singen in den hellen Tag
vom schönen Wald, vom frischen Quell.
Die Sonne strahlt wie jedes Jahr uns wunderbar ihr Licht entgegen.

Da beten laut wir: Lieber Gott,
gib weiterhin der Erde Deinen Segen,
damit die Sonne immer weiterscheint
und Blumen blüh´n an allen Wegen!

Juliane Schramm, Mai 1983

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Seniorennachmittag

Am ersten Montag des Monats treffen sich die Senioren. Gegen drei Uhr geht man zur Heinzmannstraße. Die Gehbehinderten werden abgeholt. Oft wird der Tag erwartet ... Denn man trifft wieder liebe Freunde. Auch in einem kleinen Dorf kann es gescheh`n, daß man sich vier Wochen nicht geseh`n ...

Zuerst begrüßt uns Schwester Edelgard, da sie die Leitung des Seniorenkreises übernommen hat. Allen gratulieren wir dann, die mit Geburtstag waren dran. Es ist immer erstaunlich, wie viele es sind! Es gibt auch ein Gedenken derer, die uns verlassen haben und im Jenseits sind.

Dann kommt Herr Pfarrer Eckert - mit Beifall bedacht, da er den Seniorennachmittag recht sinnvoll macht. Denn nur uns mit Kaffee und Kuchen zu laben, wäre nicht genug - das könnten wir auch zu Hause haben.

Auch Geist und Seele wollen wir nicht vergessen: Im Kirchenjahr gibt es viele Anlässe, über Erbauliches und Sinnvolles zu sprechen. Wenn der Vortrag noch mit Dias unterstrichen wird, ist der Nachmittag unvergessen. Unser Kreis besteht im Durchschnitt aus siebzig Personen. Es sind katholische und evangelische Frauen. Männer haben sich noch nicht viele eingefunden. Unsere Helferinnen sind nur den Jahren nach nicht mehr jung, denn der Kaffee ist im Eiltempo serviert. Unsere Kaffeeköchin war im Februar achtzig Jahre alt. Sie ist jung geblieben! Nun kommt noch etwas besonderes:

Alle vierzehn Tage treffen sich zwölf bis vierzehn Frauen zu einem Handarbeitskreis. Sie stricken, häkeln und basteln. Bei frohen Reden und manch` kleinem Lied kommt allerlei zusammen: Im November vierundachtzig wurde im Seniorenkreis ein Bazar veranstaltet und alles verkauft. Der Reinerlös betrug 1300,-DM. Davon waren 1000,-DM für die Hungernden in Afrika. Das sind Erfolge, die Freude machen!

Juliane Schramm, Februar 1985

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Eine Maienfahrt
Wir fahren in den Mai, um das Wunder des Frühlings zu erleben.
So grün wie heute kann doch nur der Mai es uns geben!
Die Wiesen quellen über mit gelben und weissen Blüten,
der Raps ist reinstes Gold.
Und muntere Bäche begleiten uns hold...

Doch die Krönung von allem - ich muss es gesteh´n -
es war die Apfelblüte zu seh´n.
Die Blüten, weiss und rosenfarbig, eine Schönheit der Natur.
Wir brauchen nur zu schauen und unsere Herzen und Augen aufzutun!

Dann spüren wir den Apfelblütenkranz auf unserem Haar
und singen mit frohem Herzen:
Oh, holder Mai - wie bist Du wunderbar!

Juliane Schramm, Mai 1988

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Der schönste Donnerstag der Woche
Was - gleich neun ! Wo ist die Zeit geblieben?
Eben war es doch erst sieben!
Nun geht es runter, rauf und raus
zu dem schönen Bürgerhaus.
Dort trifft man sich in froher Runde
zur Senioren-Gymnastikstunde.

Dann kommt Frau Bantel - unser Stern.
Sie bringt uns viel bei - mit Freude, denn sie tut es gern.
Zuerst ein Vers oder ein erbauliches Wort.
Und wenn wir alle ausgebabbelt haben, geht es munter fort.
Wir bewegen die Glieder auf und nieder.
Wir spielen mit Kirschkernsäckchen, mit Schnüren und Bällen.
Wunderschön ist´s mit Tennisbällen zu prellen.

Oft strengen wir mal das Hirn auch an
mit Namen von Blumen und Bäumen.
Es ist alles zu unserem Nutzen dann.
Man sollte es nie versäumen!

Da - ein Schrei: Es ist schon halb elf!
Was langsam begonnen hat, wird beendet jetzt schnell.
Zu Hause, da muss es ja wüst ausseh´n,
wenn wir nur mal eine Stunde ausgeh´n...
Jeder vergisst es immerfort:
Die Arbeit läuft uns doch nicht fort.
Sie bleibt uns erhalten.
Drum können wir ganz gemütlich und ruhig abschalten.

Trotz allem wissen wir ja sehr gut:
Diese Stunde möchten wir nicht versäumen.
Wir freuen uns schon wieder auf den nächsten Donnerstag -
inzwischen können wir von unserer Gymnastik träumen.
Hauptsache, wir waren da und spüren es in den Gliedern.
Und - was ja auch sehr wichtig war:
Wir waren in Freundschaft uns nah!

Juliane Schramm, Dezember 1984

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Ausflug der Falkensteiner Senioren
An einem wunderschönen Junitag - die Luft war zart und mild -
wir fuhren mit zwei Bussen los - das Ziel war unbestimmt.

Wir waren eingeladen von der Stadt,
die damit den älteren Bürgern eine Freude macht,
zu einer Fahrt ins Blaue.
Es war wunderschön erdacht!

Die Fahrt, sie ging ins weite Land;
der Wegesrand in bunten Blüten stand!
Von fernen Städten konnten wir die Kirchtürme sehen
und abwechselnd Flüsse - und Brücken, die darüber gehen.

Dann kam Bad Orb - in aller Welt ist es bekannt.
Wir fuhren durch bis hoch zum Wald.
In einem schönen Waldkaffee,
"Zum Wildgarten"war es benannt,
schon alles bereit für uns stand.

Der Kuchen, köstlich - fast zuviel .
Das war ein wirklich schönes Ziel!
Dann konnte Jeder tun, was ihm gefiel.
Man konnte wandern, träumen auf der Sonnenbank
oder einfach schauen in das wunderschöne Land...

Und dann der Kurpark - welche Blumenpracht!
Die Rosen waren hier schon voll erblüht.
Und in den Büschen sangen uns die Vögel schon ihr Abendlied.

Jeder Tag - und ist er noch so schön -
er geht vorbei. Wir sagen uns Auf Wiederseh´n.
Wir denken dankbar noch an Jene, die diesen Tag für uns erdacht
und soviel Freude uns ins Herz gebracht!

Juliane Schramm , Juni 1985

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Eine Maienfahrt
Wir fahren in den Mai.
Jetzt haben wir genug von Regenschauern, kaltem Wind.
Wir fahren in den Mai!

Der Winter war kein guter Freund;
er blieb uns viel zu lang.
Wir haben lange schon geträumt
von Blumen und Vogelgesang...

Nun endlich sind die Bäume grün -
voll Schlüsselblumen steh´n die Wiesen,
Veilchen unter ihren Blättern blüh´n.
In milder Luft geh´n wir spazieren.

Die Vögel singen uns im grünen Dom
von früh bis spät die allerschönsten Lieder.
Wir hören es mit einem Glücksgefühl -
es klingt aus unsern Herzen wieder.

Die Erde ist im Frühling schön;
mit frohem Schritt wir sie beschreiten.
Die Freude muss im Angesicht uns steh´n,
daß Frühling ist -
im Herzen soll er immer bleiben!

Juliane Schramm, Mai 1985

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Auf Wiedersehen , Schwester Edelgard
Ein Stern kam vom Himmel und fiel nach Falkenstein.
Es war Schwester Edelgard; sie kehrte ein ins Herz-Jesu-Heim.

Die arbeitsreichen Jahre als Kindergarten-Leiterin
gingen eines Tages zu Ende - das ist alles im Leben drin...

Doch neue Aufgaben boten sich schnell an:
Senioren brauchten eine Leitung;
da kam Schwester Edelgard gut an!

Mit viel Geschick und Können, mit Liebe und Geduld,
wurde mancher Montag zur Begegnung,
denn Singen macht froh und gesund.

Die vielen schönen Ausflugsfahrten - wir denken gern daran.
Das alles hatte Zeit gekostet und lief genau nach Plan.

Wir werden uns froh und dankbar an diese Zeit erinnern.
Und vielleicht gibt es die Möglichkeit,
daß wir uns alle zusammen noch einmal wiedersehen werden.

Dies wünschen die Senioren.

Juliane Schramm

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Zweihundert Jahre Metzgerei Haug
Es steht im Altstadtkern ein Haus,
dort geh´n die Käufer gern ein und aus.
Hier wird die Arbeit gern getan,
es fängt der Tag mit Freude an.

Zweihundert Jahre - welche Zeit!
Doch es sind die Menschen gleich geblieben.
Ohne Hast sind sie bereit
den Kunden freundlich zu bedienen.

Natürlich ist es anders heut´-
im alten Stil ist es erhalten.
Viel schöner als es früher war
tat man das Alte neu gestalten.

Die Ahnen sahen damals schon
die Arbeit als des Lebens Inhalt an.
Jede folgende Generation
tritt nun in diese Bahn.

Wir wünschen dem heutigen glücklichen Paar:
daß auch Sie das Gute vererben - und mit Gottes Segen
noch viele Jahr`
Glück und Freude auf Ihren Wegen!

Juliane Schramm, Juni 1985

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Gartenwirtschaft zum Derre Ast
Von der Gemeinde Falkenstein eingeladen
waren die Senionen dort zu Gast: Gartenwirtschaft zum Derre Ast!

Vom Bürgerhaus der grosse Saal
war verwandelt in ein Gartenlokal.
Was Ernst Roos sich hatte erdacht
wurde verwirklicht - es war eine Pracht!
Unter Birken, Sonnenschirmen und Lichterketten
konnte man nur frohe Gesichter erkennen.
Die Bedienung - wie konnte es anders sein:
Es waren die nettesten Männer und Frauen aus Falkenstein!

Außer dem Essen und Trinken gab es Unterhaltung von Senioren und Kindern.
Der Höhepunkt an diesem schönen Tag
war die Stadtkappelle, unter Leitung von E. Scholz,
die uns unsere schönsten alten Lieder gab.
Wir sangen mit - in ein paar Augen konnte man Tränen sehen.
Doch alles Schöne musste auch hier zu Ende gehen.
Als die Kapelle dann "Nehmt Abschied, Brüder" spielte,
da wussten wir: nun ist es aus.
Wir gingen froh und tief beglückt nach Haus...
Juliane Schramm, 1988

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Zum Gedenken an Josef (Pfaff)
Ich seh´ Dich noch vor meinen Augen,
an Deiner Hand Sebastian;
die Glocken läuteten den Mittag,
da kamt Ihr Beide fröhlich an.

Du hattest immer ein lustig´ Wort.
Dein Rat war gut in Freud und Leid.
Du wusstest viel - es fiel dir leicht.
Und vor Allem: Du hattest immer Zeit.

Ein guter Freund -
er ging uns nicht verloren,
er ging zu schnell uns nur voran.
Jetzt gibst Du Hilfe uns vom Himmelsbogen;
im Traum nun finden wir den Rat.

Nun hoffen wir,
daß wir uns alle
einmal wiedersehen
am letzten Tag.

Juliane Schramm

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Cidre-Fest in Falkenstein
Ein Sonnentag im Herbst -vom Sommer man noch träumt;
die Wiese ist in bunten Farben verschwenderisch umsäumt.
Wir sitzen und stehen um die alte Apfelpresse -
ein Gastgeschenk unserer Partnerstadt Le Mêle -
dazu die neue Stadtkapelle!
Mit frohen Weisen wird sie von Meister Scholz uns vorgestellt.
Überall sehen wir nur frohe Gesichter -
wie schön ist doch unsere Welt!

Das Cidre-Fest gibt´s in jedem Jahr zum Ernte Dank,
die Äpfel in der Presse, das ist klar,
der Cidre füllt das Glas in unserer Hand.
Und wirklich: Er schmeckt wunderbar!

Wir treffen Freunde,die wir lange nicht geseh´n
oder denen wir gestern noch begegnet waren.
Vor Allem denken wir an unsere Freunde in Le Mêle;
auch heute möchten wir sie gerne bei uns haben...

Zum Traurigsein ist keine Zeit.
Bei Cidre, Sonne und Musik vergeht die Zeit sehr schnell.
Beim nächsten Fest sind wir bei unseren Freunden in Le Mêle!

Juliane Schramm, Sommer 1986

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Meine Herbstreise in die Normandie
Ich reise in die Normandie.
Gern´wähle ich als Ziel mir sie.
Frankfurt - Paris, das ist schnell geschehen,
in netter Gesellschaft die Stunden vergehen.
Ich wurde abgeholt - der Freund war schon da.
Trotz kalter Morgenstunde ich am Bahnhof ihn sah.
Edmond und Olga (Poulet) - wir hatten uns lange nicht gesehen...

Meine Reise fing ganz lustig an - im Bahnhof Gare de l´Est.
Der Automat will mir die Karte nehmen, doch ich - ich hielt sie fest!
Es dauerte eine ganze Zeit, bis ich begriffen hatt´:
Die Türe öffnet sich erst dann, wenn ich dem Automaten geb´die Kart´.
Dann endlich standen wir in der Metro drin.
Wir fuhren unter der Riesenstadt bis in den Aussenring.

Bei guten Freunden gab es dann ein Frühstück mit café au lait.
Dann ging´s in froher Stimmung zu Mont Martre in die Höh´.
Die schönste Kirche - Sacré Coeur - war unser Ziel.

Die Stufen hinauf sind fast nicht zu zählen,
doch dieses Ziel - ich würde es gleich wieder wählen...
Dieser Lohn - solch Schönes ist nicht zu beschreiben:
Unter uns, im Sonnenlicht, tat sich Paris ausbreiten!

Am Abend reisten wir in unsere Partnerstadt,
die für mich immer wieder einen neuen Zauber hat.
Le Mele - da fühl´ ich mich zu Haus´...
Am nächsten Morgen ging es auch gleich zu den Freunden hinaus.
Zuerst besuchte ich die Schule, da ich dort viele Kinder kenne
und auch Herrn Bertelot meinen Freund darf nenne´.

Am nächsten Tag fuhren wir ans Meer (Bernier) - das ist doch klar.
Das Sammeln der Muscheln doch schon stehts mein Hobby war.
Mein Korb war dann auch gefüllt bis zum Rand,
da ich viel köstliche Muscheln fand!

Am nächsten Morgen - noch einmal ans Meer.
Es war voll bis zur Grenze, an vielen Stellen noch etwas mehr!
Die Wellen, sie rasen mit Schaumkronen auf mich zu
Und über Allem kreischen und schweben die Möwen!
Ich wandere lange hin und her,
vom Meer Abschied zu nehmen, das fällt mir sehr schwer...

Doch dann geht´s zurück in unsere kleine Stadt,
die für mich noch viele Freuden hat.
Auf Spaziergänge durch die goldenen Wälder bin ich wie besessen.
Und die Einladungen zum Austernessen...
solch Köstliches nicht zu vergessen.

Doch auch das Schönste geht einmal vorüber,
denn auch zu Hause erwartet man mich wieder...
Die Kinder, das Kätzchen und die Vögelein
wollen auch wieder mit mir zusammen sein.

Hier ein schmerzliches Lächeln des Abschieds,
zu Hause ein frohes der Wiederkehr.
Oh Du wunderschöne Zeit,
wann kommst Du wieder her...

Juliane Schramm , November 1984

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Der Herbst
Nun ist der Herbst ins Land gekommen
mit einer kalten Regennacht.
Kräftig hat er die Bäume geschüttelt,
da fiel herab die bunte Pracht.

Was unser Herz und Aug´ erfreute liegt nun zerstört und grau danieder.
Darüber grämen wir uns nicht.
Wir wissen doch: Der Frühling, er kommt wieder.

Dann werden alle Bäume wieder grün,
dann wird die Erde wieder neu ersteh´n.
Wir singen der Sonne wieder zu und danken Gott dafür,
daß wir dies Wunder dürfen seh´n!

Juliane Schramm , 21.10.1986

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Eine Herbstfahrt ( Schloss Gelchsheim )
Jüngst reiste ich am Main entlang
ins schöne Land der Franken.
Im Tal der Main war silberhell,
und an den Hängen
sich die Reben rankten.

Der Herbst zeigte sein schönstes Kleid,
verschwenderisch war´n seine Farben -
vom hellsten bis zum tiefsten Rot;
die Birken leuchteten wie goldne Garben!

Dann kam die letzte grosse Stadt,
fast war ich schon am Ziel.
Die Stadt zieht sich vom Main bis hoch zum Berge hin. ( Würzburg )

Nun ging die Fahrt ins weite Land hinaus.
Dort gab es keine Felsen und kein Tal.
Ein grosser, fruchtbarer Garten breitete sich vor mir aus.

Mein Ziel, es war ein Schloss - vor vielen Jahren wurde es erbaut.
Von Festen und Bällen erzählt man sich noch heut´.

Nun wohnen Menschen dort - im Leid verbunden.
Ihr Schicksal, das ist hart.
Doch mit Verständnis und Gemeinsamkeit,
mit Freundschaft wird hier vieles überwunden.

Wenn Solches man erlebt, dann sieht man ein:
Was uns so Sorgen macht - es darf vergessen sein.
Drum freut Euch über Euer Leben,
bewundert doch die Schönheiten im Herbst
und danket täglich Eurem Schöpfer, daß Ihr so heil geblieben!

Juliane Schramm , 11.10.1984

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für Pfarrer Eckert (zum Geburtstag)
Achtzig Jahre - welche Zeit
in dem Rad der Ewigkeit,
ein Tupfer nur, ein kleiner,
von der Kinder- zur Erwachsenenzeit.
Ein Schritt ist´s nur - ein kleiner.

Dann kommt es angebrausst, das Leben,
mit Arbeit und auch Freude.
Wir müssen Vieles geben her,
und uns wird viel gegeben.

Sonnenstrahl und dunkle Wolken
wechseln sich beständig ab.
Um dieses Lebensschiff zu steuern
braucht man Gnade und auch Kraft.

Du warst ein guter Steuermann
mit Frohsinn - und das Herz voll Freude.
So möcht´es sein noch viele schöne Jahre -
das wünschen wir Dir heute!

Juliane Schramm

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Der Herbst
Es kommt der Herbst mit Brausen.
Wir hören es, wenn in der Nacht
die Stürme unser Haus umrauschen.

Die letzten Rosen steh´n in rot´und gold´ner Pracht.
Die Astern überbieten sich in Farbenfreude!
Der Duft berauscht fast unser Herz.
Die bunte Pracht bereitet uns ein wenig Schmerz...

Die Wiese steht den ganzen Tag im Silbertau.
Sie schmückt sich noch mit Schierling und mit Herbstzeitlosen;
und alles schimmert weiss und blau...

Wir nutzen jeden Sonnenstrahl
und öffnen uns´re Fenster weit.
Wer da laufen kann, der gehe
und sei für des Herbstes Schönheit
nur bereit!

Im Herbst, da denken wir mit Dank:
Wie wir an schönen, hellen Sommertagen
am frischen Bach gewandert sind
und auf der Blumenwiese lagen,
als tausend Schmetterlinge
uns umgaukelt hatten;
und wenn die Sonne uns zu heiss war,
spendeten die Bäume
den köstlichen Schatten.

Wenn dann der lange Winter kommt
mit Schnee und Eis und Graupelschauern:
Wir haben keine Angst davor;
der Winter kann ja nur
bis zum Frühling dauern!

Juliane Schramm , Herbst 1985

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Der erste Schnee
Ein Winter ohne Schnee ist nicht viel wert.
In diesem Winter wurde er auch heiß begehrt.
Die Kinder klagten in den letzten Tagen:
Die Ferien sind bald um - wir konnten nicht mal schlittenfahren!

Doch eines morgens war er da.
Er kam ganz leise, so wie jedes Jahr.
Jetzt sind die Kinder nur noch draussen zu seh´n.
Das Schneeschippen lernen wir auch -
als Frühsport ist es doch gut und schön!

Jetzt geht es an jedem Tag hinaus in die Sonne.
Der Wald steht im Märchenkleid!
Es stäubt, es glitzert und funkelt - es ist eine Wonne;
das Herz wird vor Freude uns weit...

Dann atmen wir tief die glasklare Luft,
den Sauerstoff gibt es gratis!
Wir müssen nur wollen...
"Kommt heraus aus dem Haus!",
der Winter uns ruft.

Auf dem Heimweg
ist uns alles so leicht,
so beschwingt ist da unser Schritt.
Am liebsten rufen wir Allen zu:
Geh´Du doch auch einmal mit!

Juliane Schramm , Januar 1985

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Vorweihnacht
Als Kinder, wie Ihr es alle noch wisst:
Wir freuten uns Wochen zuvor,
am meisten auf den Heiligen Christ;
der kam aus dem Himmelstor.

Die Geschenke waren sehr praktisch gedacht
und von der Mutter meist selber gemacht.
Die Strümpfe - gestrickt bis weit übers Knie,
einen Schal und ´ne Mütze, das fehlte nie.

Das Spielzeug war oft vom Jahr zuvor;
man holte es nur vom Speicher hervor.
Die Puppe bekam ein neues Kleid,
und alles war für das Fest bereit.

Heute gibt es fast alles auf dieser Welt,
für Geld fast Alles, was uns gefällt.
Nur Eines, das ist doch sehr rar:
Von Liebe ist nicht mehr viel da.
Wer hört denn gern zu, wenn der Nächste klagt:
Heut´hab´ich Schmerzen, und die Angst mich plagt!

Dann geben wir uns doch ganz einfach die Hände
und sprechen in Liebe uns zu.
Wir wissen, das Leben hier geht einmal zu Ende;
wir gehen auf das Christuskind zu.
Das nimmt uns ganz einfach in den Arm.
Dort sind wir zu Hause, da wird es uns warm.

Darum: Nehmen wir nicht Alles so schwer!
Warum ziehen die Sorgen wir zu uns her?
Leben wir doch das Leben in Freude,
seien wir glücklich für jeden Tag!
Jetzt freuen wir uns im Advent auf den herrlichen Weihnachtstag.

Juliane Schramm , 12.12.1984

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Die alte Katze war wachsam

Eine alte Katze, daran erinnert sich Juliane Schramm aus Königstein, Am Bornacker 2, noch sehr genau, sagte durch ihr Verhalten immer dann Bescheid, wenn es ernst wurde mit dem Fliegeralarm.

Frau Schramm schreibt:

„Es liegt in der Natur des Menschen, daß er die Schrecken überwindet und das Schlimme vergißt. Es gab auch eine gute Seite in dieser Zeit. Zeit - vor allem, wir hatten Zeit! Im Sommer hatte Jeder hier im Dorf einen Schrebergarten zu bearbeiten. Dieses Stück Land brachte uns für den ganzen Winter Gemüse. Im Winter hatten die Kinder eifrig Buchecker gesammelt. Davon hatten wir ein paar Flaschen köstliches Öl. Jetzt vor Weihnachten hatten wir die Kerne angeröstet und von der Schale befreit. Damit und mit Haferflocken hatten wir für unsere Kinder Plätzchen gebacken.

Wenn ich immer von „wir"rede, dann denke ich an mich und meinen kleinen Sohn. Mit uns wohnte eine junge Frau aus Mannheim mit zwei Kleinkindern. In Mannheim war sie ausgebombt. Mein Sohn war damals sieben Jahre und die beiden Mädchen ein und vier Jahre alt. Wir wohnten in einem kleinen Haus, das es heute nicht mehr gibt. Wir hatten alle Platz und dazu noch zwei Katzen. Die alte Katze war für uns sehr wichtig. Wenn die Sirene heulte und sie blieb auf ihrem Platz liegen, dann ließen wir unsere Kinder im Bett - wenn sie in den Keller rannte, dann ging's bald los. Am Weihnachtsabend hatten wir nur einen Wunsch: einmal keine Sirene, einmal keinen Brandgeruch und einmal keine Christbäume vom Himmel. Wir hatten ein kleines Tannenbäumchen für unsere Kinder geschmückt und allerlei gebastelt und gestrickt, und die Kinder waren glücklich.

Für meinen Sohn war es ein ganz besonderer Abend: Wir waren zu Hause - der einzige Abend, an dem es keine Vorstellung im Kino gab. Es war mein Beruf. Jeden Tag mußte er mit zu meiner Arbeit gehen. Es war unmöglich, sich von seinem Kind zu trennen. Wir rechneten jede Stunde mit dem Ende. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie, aber wir wußten es. Die Weihnachtsansprüche von Goebbels konnte man vergessen. Nach zwei Sätzen haben wir ausgeschaltet. Er sprach wirklich vom Endsieg und vom siegreichen Soldaten. Wir wußten es besser.

Fast in jedem Haus weinte man an diesem Weihnachtsabend um einen geliebten Menschen. Der Vater meines Sohnes war in russischer Kriegsgefangenschaft, unser Jüngster vermißt und sein älterer Bruder schwer verwundet. Unsere Mutter hatte diese Angst nicht mehr ausgehalten. Bevor auch hier die Brandbomben fielen, war sie ganz schnell gestorben. Damals glaubte ich nie mehr lachen zu können. Aber ich habe es schon im ersten Satz geschrieben: Es liegt in der Natur des Menschen, daß er das Schlimme schnell überwindet und vergißt."

TAUNUS ZEITUNG - 24.12.1984

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Weihnachtsgedanken
In jedem Jahre hören wir:
Friede soll auf Erden werden.
Doch schauen wir uns einmal um:
Der Friedensengel scheint uns stumm.

Sehr viele Menschen tragen Sorgen;
die Last, sie ist oft riesengross.
Doch reichen wir in Liebe die Hand,
dann errichten wir ein Friedensland.

Von uns kommt die Wärme, aus uns strahlt das Licht;
wir geben es weiter mit frohem Gesicht.
Wir wissen es alle: Es ist nicht nur ein Brauch -
die Nächstenliebe hört mit Weihnachten nicht auf.

Dann dürfen wir singen vom Friede auf Erden,
vom Tannenbaum und der Heiligen Nacht,
von den Sternen, die über uns strahlen,
und dass der Friedensengel immer über uns wacht...

Juliane Schramm , 20.12.1985

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Jerusalem
Heute endlich - nach Jahren,
in denen ich Dein Bild vor Augen sah,
auf den Ölberg bin ich gefahren;
nun bist Du mir nah.

Zu Deinen Zinnen und Mauern schaue ich hinüber,
zu Deinen Kreuzen und Kuppeln.
Ich spüre im Herzen einen Schauer:
Stand nicht auf jenem Berg Christus vor zweitausend Jahren -
vor sich den bitteren Kelch, vor sich das grausame Leiden...
Doch er ging - das Mahl zu bereiten.

Viele Gedanken bewegen mich - Jerusalem!
Noch heute werde ich Deine Tore durchschreiten.
Es ist das erste Mal,
wird es das einmalige bleiben?

Alles ist Erinnerung - an das Unvergängliche, Ewige.
Die Gegenwart zeigt sich in Gold und Kerzen,
sie ist Mahnmal, Kunst, Geschäft und Hast.

Der eine Wunsch bleibt im Herzen:
Jerusalem, Du Größte unter den Städten!
Lass´ mich Dich noch einmal sehen und Dich niemals vergessen...

Juliane Schramm , 1985

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ISRAEL

(Dies ist der erste Reisebericht. Den Zweiten, der aus genaueren Fakten der Reise und dem geschichtlichem Hintergrund besteht, haben wir des Umpfang wegens weggelassen.)

Dienstag,08.10.1985
Endlich ist es wahr geworden: In einem Jumbo der EL - AL fliegen wir unserem Ziel entgegen. Fliegen ist noch schöner als ich es mir vorgestellt habe! Es ist ein Gefühl der Freiheit - über den Wolken ... Bei unserer Ankunft in Tel-Aviv ist es schon dunkel, und wir können die Schönheit des Landes nur ahnen .
Hier lernen wir gleich unseren Busfahrer kennen. Er wird uns in den zehn Tagen zu allen biblischen und geschichtlichen Orten bringen. Auch unser Reiseführer Joshua ist anwesend und bringt uns zu unserer ersten Unterkunft: Wir wohnen in North-Tel-Aviv im Country-Club. Ein Zimmer mit allem Komfort, ein gutes Abendessen und am Morgen ein reichhaltiges Frühstück - so ist es die ganzen zehn Tage geblieben.

Mittwoch, 09.10.1985
Unser ständiger Begleiter ist Herr Pfarrer Eckert. Der Tag beginnt mit einem Psalm, - und wir singen ein Morgengebet.
Dann erklärt uns Joshua den Tagesverlauf.
Wir sind in Joppe. Es gibt hier sehr alte Ausgrabungen - zum Teil aus der Zeit vor Christus. In Joppe wurde der erste Heide zum Christen getauft. Deshalb gibt es in einem malerischen Winkel eine Petrus-Kirche.
Nun sind wir in Caesarea. Diese Stadt wurde schon vor Christus erwähnt. Das Freilichttheater wurde vollkommen ausgegraben, so auch riesige Lagerhallen und Hafenanlagen. Caesarea war ein bedeutender Hafen. In der Arena wurde einst Paulus dem Stadthalter vorgeführt. Heute finden dort Konzerte statt. Eine Probe konnten wir hören: Ein deutscher Gesangverein sang "das Abendrot" von Schubert. Es klang wunderschön ...
Nun bewundern wir eine Straße aus bunten Marmorplatten mit über-lebensgroßen Plastiken - allerdings ohne Kopf, da der bei jedem neuen Herrscher ausgewechselt wurde. Auf einer langen Mauer zeigen sich Rinnen, in denen früher das Wasser von der Sonne angewärmt wurde und direkt in die Bäder floß.
Wir sind in Akko. Hier sehen wir gewaltige Ausgrabungen. Unter einer Moschee befindet sich die Anlage einer Festung aus der Zeit der Kreuzritter. Durch riesige Hallen, über Treppen und durch Gänge gelangen wir wieder ins Sonnenlicht.
In Akko am Meer haben wir übernachtet.

Donnerstag, 10.10.1985
Abfahrt nach Safed. Die Fahrt ist wunderschön: Es geht ins Gebirge. Safet liegt 800 Meter hoch und ist eine schöne, alte Stadt. Wir besichtigen zwei alte Synagogen. Hier sehen wir die ersten kunstvollen Mosaike, auch einen offenen Schrein mit der Thora-Rolle.
Es folgt ein Gang durch das Künstlerviertel und die Gemäldeausstellungen. Safet ist eine Künstlerstadt.
Von einem Hügel aus sehen wir weit ins Land ...
Nun nähern wir uns Caesarea-Filippi. Hier entspringt eine der drei Jordan-Quellen. Im klaren Bergwasser konnten wir uns herrlich erfrischen!
Auf einem Felsplateau stehen wir an der Stelle, an der Christus Petrus zum "Felsen der Kirche" vorausgesagt hat.

Wir fahren an den Golanhöhen entlang. Man sieht nackten Fels und Stein. Die Wohnungen der Druiden kleben wie Nester am Berg. Sie leben hier mit ihren Schafen, bebauen das Land und treiben Handel. Den Berg Hermon sehen wir immer vor uns. Er ist über dreitausend Meter hoch. Wir sind an der Grenze zwischen dem Lybanon und Israel. Bei Conetra steht ein einsamer Wachposten der Friedensarmee.
Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt. Wir sind auf dem Berg Der Acht Seligkeiten. Eine wunderschöne Kirche mit herrlichen Mosaiken dürfen wir sehen.
Ein Kloster mit einem riesigen Park: Unter Palmen -zwischen Blumen feiern wir unsere erste Heilige Messe im Heiligen Land ...
Weiter geht`s Richtung See Genezaret und Tiberias. Es ist eine Traumlandschaft!
Wir wohnen im Hotel Gali Galilee.
Tiberias - Von Dir hab`ich schon lange geträumt ...
Nun stehe ich zu ganz früher Morgenstunde am Fenster. Vor mir liegt der See wie flüssiges Silber; und ich warte darauf, daß sich die Sonne erhebt und die Wolkenränder rosa und golden färbt.
Dann möchte ich am Ufer des Sees sitzen. Man dürfte nichts hören, nur das leise Eintauchen der Ruder eines Fischerbootes. Wenn ich dann die Augen schließe, ist mir, als sehe ich im Traum Jesus über den See gehen - auf mich zu ...

Freitag, 11.10.1985
Wir fahren über den See Genezareth nach Kapernaum. Hier gibt es erstaunliche Ausgrabungen: Das Fundament vom Hause des Petrus mit herrlichen arabischen Motiven. Im Klostergarten fällt es mir schwer den Erklärungen Joshuas zu folgen. Denn über uns, in den Palm- und Olivenbäumen, hören wir ein Konzert von berauschender Schönheit ...
Wir gehen am Ufer des Sees hinüber zur Kirche der Brotvermehrung. Wieder bestaunen wir Mosaike von einmaliger Schönheit: Vor dem Altar auf dem Boden sieht man einen Fisch mit zwei Broten, die übrige Fläche bilden Blumen und Vögel ...
Der Bus bringt uns zurück nach Tiberias.Vor dem großen Fisch-Essen nehmen wir ein Bad im großen See. Zum Schwimmen fehlte mir der Mut - trotzdem war es eine tolle Erfrischung! Danach dann ein Fisch, frisch gebraten, knusprig und von einer Größe ... - ich habe mich gewundert, daß ich ihn geschafft habe.
Jetzt geht die Fahrt nach Nazareth. Zuerst sehen wir den Marien-Brunnen. Hier holte Maria täglich das Wasser für die Heilige Familie. Von diesem Wasser habe ich getrunken - es hatte schlimme Folgen für mich (Durchfall u.s.w.).
Wir sehen uns das Fundament vom Hause Josefs an - mit Werkstatt und einer Josefskirche. Das Schönste ist die Verkündigungskirche: Vor fünfunddreißig Jahren wurde sie über der alten Kirche erbaut. Spenden aus aller Welt haben es möglich gemacht. Wir sehen hier einmalige Fresken und Mosaike. An jeder Stiftung hängt ein Schild mit dem Namen des Spenderlandes. Eine Madonna, ein Mosaik aus Japan, besteht aus lauter kleinen Perlen. Die Deutschen haben eine Taufkapelle gespendet: Ein großes Taufbecken, in dessen Mitte Jesus mit Johannes dem Täufer am Jordan steht - alles ist aus schwarzem Marmor ...
Inzwischen ist Schabat. Bei unserer Rückkehr ins Hotel erwartet uns eine Überraschung: Im festlich gedeckten Speisesaal singt uns ein jüdischer Vorsänger den Schabat an. Nach einem Gläschen rotem Wein gibt es ein Festessen!
Mir hat das alles sehr gefallen. Im fremden Land möchte man auch die Traditionen kennenlernen.

Samstag, 12.10.1985
Heute nehmen wir Abschied von Tiberias und sehen den See Genezaret zum letzten Mal. Wir sind nun am Jordan an der Stelle, an der sich Christus von Johannes dem Täufer taufen ließ.
Der Berg Tabor ist unser nächstes Ziel. Wir kommen an einem Beduinen-Dorf vorbei. Die Menschen sind seßhaft geworden und haben hübsche, kleine Häuser mit Blumengärten davor. Die Männer haben einen Taxibetrieb. Unser Bus fährt nur bis zur Hälfte des Berges. Von dort fahren wir mit Taxis weiter - auf den Berg der Verklärung.
Eine herrliche Kirche empfängt uns hier. Unter Olivenbäumen feiert eine Gruppe von Priestern aus Polen ihre Messe. Sie singen gerade aus der Mozart-Messe das Sanktus.
Wir betreten die Kirche. In einer der Seitenkapellen feiern wir unsere Heilige Messe. Als wir uns beim Vaterunser die Hände reichen, sind wir wirklich eine Familie ...
Dies ist der Platz, an dem die Jünger drei Hütten bauen wollten. Darum gibt es eine Hauptkirche und zwei Seitenkapellen. Bevor wir den Berg verlassen, schauen wir auf das weite Land hinaus.
Jericho - eine grüne Oase mitten in der Wüste, eine grüne, riesige Stadt! Die herrlichen Ausgrabungen beweisen: Jericho gab es schon vor neuntausend Jahren. Auf der Fahrt nach Betanien kommen wir am Hause des Zöllners vorbei. Ein Feigenbaum ist wieder gepflanzt worden.
In Betanien besuchen wir die Lazarus-Kirche und das Grab des Lazarus, danach eine ganz alte, ausgegrabene Synagoge.
Nach diesem ereignisreichen Tag fahren wir in unser neues Heim - zum Kibutz-Anavim. Es ist ganz in der Nähe von Jerusalem. In einer herrlichen Parklandschaft hat Jeder ein kleines Haus für sich. Nachts werden Viele von uns wach: Von einem Minarett in der Nähe ertönt um vier Uhr der Ruf des Muizim zum Gebet.

Sonntag, 13.10.1985
Endlich fahren wir nach Jerusalem! Vom Ölberg aus schauen wir hinüber zu der Stadt. Sie scheint nur aus Kuppeln und Türmen zu bestehen. Die Goldkuppel des Felsendoms strahlt über alles ...
In der Verratskirche, die von der ganzen Welt gestiftet wurde, feiern wir unseren Sonntagsgottesdienst.
Im Garten Getsemane bewundern wir das russische Magdalenenkloster. Auch hier gibt es ein Mariengrab.
Über einen alten, jüdischen Friedhof kommen wir in das Kidrotal. Staub, Steine und Hitze bestimmen diesen Weg.
Hier gibt es alte Grabdenkmäler, wie z.B. das Grab von König Abraham, König Davids Sohn. Der Silo-Teich befindet sich auch hier. In Belagerungszeiten konnte man durch einen Tunnel Wasser in die Stadt bringen. Auf dem Berg Zion stehen wir dann vor König Davids Bare - reich verziert mit silbernen Hüllen für die Thorarollen und die silbernen Kronen. In der Stadt kommen wir in das Haus, in dem Christus mit seinen Jüngern das Passafest feierte. Der Saal wurde so erhalten wie er vor zweitausend Jahren aussah.

Montag, 14.10.1985
Nachdem wir uns ausweisen konnten, stehen wir an der Klagemauer von Jerusalem. Heute gibt es dort keine Klagen, sondern nur Jubel und Freude: Die jungen Männer feiern ihre Mitza, und es gibt Tausende von Zuschauern ...
Ohne Schuhe betreten wir die El-Aksa-Moschee und dann den Felsendom. Auch hier zeigen sich wieder wunderbare arabische Mosaike und Motive. Die Kuppel des Felsendomes ist aus Gold. In der Anna-Kirche singen wir "Lobt froh den Herrn". Wir wollen unseren eigenen Gesang hören, da es hier eine besondere Akustik gibt.

Bethlehem ... Auf der Straße, auf der wir fahren, wanderten vor zweitausend Jahren Maria und Josef. Wir sehen die Höhle, in der einst die Grippe stand.
Hier war also der Stall... Es herrscht eine feierliche Stille. Niemand spricht ein Wort. Wir singen "Stille Nacht, Heilige Nacht".
Ein bedeutender Tag geht zu Ende.

Dienstag,15.10.1985
Der Vormittag ist für das neue Jerusalem bestimmt. Vor dem gewaltigen Bau der Knesset steht die Menora, ein großer, siebenarmiger Leuchter mit wunderbaren Reliefs. Davor sind wir ganz klein. An der neuen Universität vorbei kommen wir zum großen jüdischen Museum. Hier ist alles sehenswert: Plastiken und Malerei, auch viel moderne Kunst, von der mir nicht alles gefällt.
Der Schrein des Buches - dieses Museum enthält alte Schriftrollen. Die Pergamentrollen, auf die Bibel und Geschichte geschrieben wurden, fand man in Cumran.
Es gibt keinen Besuch in Israel, ohne den Holocaust zu sehen. Wir gedenken im Stillen dieser armen, ermordeten Menschen. Es gibt uns immer wieder Rätsel auf, zu welch teuflischen Taten Menschen fähig sind. Dabei sollen wir doch alle Brüder sein ...
In der Nähe der Universität steht das Hadassah-Krankenhaus. In der kleinen Synagoge des Krankenhauses sehen wir die weltberühmten Chagall-Fenster. Solch einen Farbenrausch gibt es nicht noch einmal auf der Welt!
Wir kommen wieder auf den Tempelberg und gelangen dann über die Dolorosa zum Kalvaria-Berg. Die Dolorosa ist ein Rummelplatz: Ein Geschäft neben dem anderen, und die Händler folgen uns auf Schritt und Tritt. Jeder will doch an die Pilger verkaufen.
Nun stehen wir in der Grabeskirche. Hier stand das Kreuz Christi. Viele hundert Kerzen brennen hier, und viele Anliegen trägt man hier vor. Auch ich habe Kerzen angezündet, um zu bitten für Menschen, die mir etwas bedeuten - auch für Verstorbene.
Aber auch Dank bin ich schuldig: Darf ich nicht hier sein...?
An das Grab Christi kommen wir nicht heran. Wir sehen es nur von außen: Lange Warteschlangen stehen betend davor. In einer kleinen Seitenkapelle können wir dann doch noch einige Gebete sprechen und die Heilige Messe feiern.

Mittwoch, 16.10.1985
Durch die Wüste Juda fahren wir auf einer neuen Straße zum Toten Meer. In dieser Wüste leben viele Beduinen-Stämme. Zeltplanen auf Stangen - darunter wohnen sie. Riesige Ziegenherden fressen die letzten Grashalme samt der Wurzel. Dann sehen wir das Tote Meer. Unser erstes Ziel: Der Felsen Massada. Mit der Seilbahn können wir beinahe bis zum Gipfel Fahren. Wir hören die Geschichte des Volkes, das hier gelebt hat und sich selbst umbrachte, um seine Frauen und Kinder nicht in Sklaverei und Schmach zu schicken. Es gibt beeindruckende Ausgrabungen: Riesige Hallen und Wohnungen, Wehrtürme ... Es war nicht leicht, diesen Felsen zu erobern.

Das Tote Meer! Das Wasser ist für die Haut sehr heilsam. Es gibt auch Moor- und Schwefelbäder. Das Wasser des Meeres trägt den Menschen. Es ist ein komisches Gefühl, auf dem Wasser zu liegen - und plötzlich gehen die Füße nach oben. Ich halte mich am Schwimmbrett fest und genieße das herrliche Wasser!
Nun sind wir in Cumran. In dieser alten, ausgegrabenen Stadtmitte lebten die Essener. Hier in den Felsen wurden die berühmten Schriftrollen gefunden. Und hier in den Felsen - ein Stein bildete den Altar - wurde die letzte Heilige Messe im Heiligen Land gefeiert.

Donnerstag, 17.10.1985
Am nächsten Tag kann Jeder das tun, was er mag. Einige bleiben im Kibutz. Ich gehöre zu denen, die noch einmal nach Jerusalem fahren.
Heute haben wir Glück: Das Gedränge ist in der Grabeskirche nicht so groß, und wir kommen in das Heilige Grab. Hier treffen wir Abuna, einen orthodoxen Priester, mit seiner netten Frau. Sie sind mit einem Ehepaar unserer Gruppe befreundet. Abuna nimmt uns mit auf das Dach seiner Kirche. Wir stehen vor den Kuppeln der Golgatha-Kirche. Noch einmal werfen wir einen Rundblick über diese Stadt. Zum Mittag sind wir bei polnischen Schwestern, trinken Wein und essen dazu Sesambrot. Es war herrlich!
Nach einem kleinen Einkaufsbummel fahren wir zurück.

Freitag, 18.10.1985
Heute ist der Rückflug nach Frankfurt.
Am Flughafen verabschiede ich mich von der Gruppe und wünsche einen guten Heimflug. Mit Max, der mich abholt, sage ich auch Herrn Pfarrer Eckert auf Wiedersehen. Max verspricht, im kommenden Jahr, Herrn Pfarrer Eckert in Falkenstein zu besuchen. Denn alle zwei Jahre ist Max Ansbacher mit Bella ein paar Tage bei mir zu Gast - leider immer viel zu kurz ...
Von 1929 bis 1934 war Max mein Arbeitgeber - teils in Frankfurt, teils in Belgien.
Shalom ... Shalom - Nun ist es wahr geworden!
Bella begrüßt mich in Petach-Tibva. Ich bin glücklich!
Um fünf Uhr beginnt der Schabat. Max ist schon in der Synagoge. Nach seinem Gebet wird er Jonny mitbringen.
Die Aufregung packt mich!
Wie wird Jonny sich verhalten ...?
Es ist jetzt fünfzig Jahre her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben ...
Dann war Alles ganz einfach. Wir haben uns umarmt und geküsst und waren keine Fremden. Auch Jonnys reizende Frau Ester konnte ich sofort als Freundin betrachten.
Nach dem Händewaschen sang Max sein Gebet zum Schabat.
Und, nachdem Jeder ein Stück Brot mit Salz erhalten hatte, gab es ein fröhliches Essen.
Der Tag verlief ganz ruhig. Nach dem Gebet in der Synagoge
kamen Bekannte, die früher in Frankfurt gelebt hatten. Wir hatten Vieles zu besprechen ...
Am Mittag fing es an zu regnen - aber wie!
Da gab es nur Eins: Schlafen. Es war unmöglich auch nur vor die Tür zu gehen ...
Unser nächster Besuch galt Simon. Er war der zweite Sohn der Familie Ansbacher. Elie und Jeannet waren noch sehr klein, als ich aus Brüssel abreisen mußte. Rifka und Marcel wurden erst später geboren.
Simon und noch ein paar Idealisten haben auf einer Anhöhe vor Jerusalem eine neue Stadt gegründet. Damals, nach dem Sechs-Tage-Krieg, waren es Hütten. Heute ist es eine schöne Stadt mit allem, was zu einer Stadt gehört. Simons Frau hat ihm von Anfang an geholfen. Sie heißt Hindu.
Ich brauche nicht zu schildern, welch ein Wiedersehen es war ... Von allen Kindern hatte Simon mir immer wieder sagen lassen, ich solle endlich nach Israel kommen.
Ein großes Glück für mich war: Ich habe alle sechs Kinder mit ihren Familien sehen dürfen. Sie haben alle den richtigen Partner und sind liebenswerte Menschen.

Sonntags war ich mit Max am Grabe von Rosa Selig. Sie war die erste Frau von Max und die Mutter der sechs Kinder. Sie hatte furchtbar viel erlebt, und das Herz konnte nicht mehr als alles vorbei war.
Mit ihr war ich damals sehr befreundet, und sie konnte mir ihre Kinder anvertrauen. Wir hatten zusammen gearbeitet und gelacht. Wir haben auch zusammen geweint als die Hass-Reden gegen die Juden über das Radio kamen.
Hier an ihrer Ruhestätte wurde alles wieder lebendig ...
Ein paar Steinchen und einen Zweig aus Cumran durfte ich noch auf ihre Ruhestätte legen.

Die Zeit verging viel zu schnell ...
Am Dienstag hieß es: auch von hier Abschied nehmen.
Und wir haben alle die Hoffnung uns mit Gottes Hilfe wiederzusehen ...

Shalom - Shalom

Juliane Schramm

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